#16 Gebärdensprachdolmetschen - mit Sophia Junker
Shownotes
Wir freuen uns sehr, euch in diesem Monat einen ganz besonderen Bereich des Dolmetschens näherzubringen – einen, der oft übersehen wird, obwohl er von enormer Bedeutung ist: das Gebärdensprachdolmetschen.
Zu Gast ist diesmal Sophia Junker, die als Gebärdensprachdolmetscherin arbeitet und uns spannende Einblicke in dieses vielseitige Berufsfeld gibt. Gemeinsam sprechen wir über ihren persönlichen Werdegang, erforschen den Ursprung der Gebärdensprache, und klären einige verbreitete Missverständnisse rund um diesen wichtigen Bereich der Sprachmittlung.
Egal, ob ihr selbst mit dem Gedanken spielt, in diesem Bereich zu arbeiten, oder einfach neugierig auf einen oft unterschätzten Teil der Sprachwelt seid – diese Folge bietet nicht nur interessante Einblicke, sondern auch jede Menge Inspiration und wertvolle Learnings.
An dieser Stelle noch zwei kleine Hinweise, mittels derer wir 2 Punkte in der Folge korrigieren wollen:
- Einmal fällt die Aussage, dass die Fotoausstellung über die Nürnberger Prozesse im Amtsgericht Fürth noch aktuell zu sehen ist - das ist sie leider nicht mehr ;)
- Auch sprechen wir an einer Stelle darüber, dass Praktika im Bereich der Übersetzung eher unüblich sind - da möchten wir uns gerne korrigieren, weil uns im Nachhinein aufgefallen ist, dass das so nicht stimmt. Viele Übersetzungsagenturen nehmen ausgesprochen gerne Praktikanten, sodass wir diese Aussage gerne hiermit revidieren ;)
👥 Unser Gast: Sophia Junker Gebärdensprachdolmetscherin
🎧 Wo Ihr uns hören könnt: Spotify Apple Podcasts Amazon Music
🎵 Unser Intro: Melodie von Lucas O'Connor Eingesprochen von Lisa Neuhaus & Nina Frühbeißer
📝 Kontakt & Feedback: E-Mail: by.podcast@bdue.de Instagram: @translationtreasures.podcast LinkedIn: Translation Treasures – Der Übersetzer-Podcast & über die Seite des BDÜ LV Bayern
Translation Treasures entsteht mit Unterstützung des BDÜ Landesverbands Bayern🤝
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo, da sind wir wieder.
00:00:02: Hallonina!
00:00:03: Wie geht's dir?
00:00:04: Hi Lisa mir gehts super.
00:00:06: Ich freu mich so nicht wieder zu sehen.
00:00:07: Wir haben uns die Küche schon so lange nicht gesehen.
00:00:10: Gehören alles.
00:00:12: Die letzte Aufnahme ist schon in meinem Kopf so lange her wo es eigentlich...
00:00:16: Ja,
00:00:17: doch für unsere Verhältnisse war es lang.
00:00:18: Genau!
00:00:18: Weil wir haben
00:00:19: ziemlich
00:00:19: früh die letzte Folge aufgenommen.
00:00:21: Es war echt viel Zeit dazwischen und eigentlich war's ja auch super getimt weil du warst zwischendurch in London.
00:00:27: Auch richtig krass musst du ja noch erzählen.
00:00:31: Wir haben jetzt nicht so viel Zeit dafür.
00:00:32: aber genau für alle Hörerinnen und Hörern, die es nicht wissen... Unsere liebe Nina war vier Wochen, sechs Wochen?
00:00:38: Ich weiß es gar nicht.
00:00:39: Sechs
00:00:39: Wochen?
00:00:40: Also nein, vier Wochen Weiterbildung Zwei Wochen geplanter Urlaub, eine Woche dann wieder verkürzt.
00:00:45: Also ich
00:00:45: bin froh.
00:00:46: Okay!
00:00:48: Aber so lange ... genau warst du quasi ja außer Landes?
00:00:53: Sagt man das auch?
00:00:53: Richtig und hast mit Sicherheit ganz viele neue coole Eindrücke gesammelt und wahrscheinlich auch total viel mitgenommen für deine Englischkurse nämlich an oder?
00:01:03: Ja, genau.
00:01:04: Ich habe ne Weiterbildung, also ein Teacher Training gemacht und es hat richtig viel Spaß gemacht sondern das Erlebnis auch mal in der anderen Stadt und natürlich auch im anderen Land sein mehr oder weniger normalen Alltag zu führen.
00:01:20: Das war ganz spannend!
00:01:21: Da
00:01:21: muss ich echt sagen, bin ich auch ein bisschen neidisch drauf.
00:01:23: Das würde ich ja auch so gerne mal wieder machen.
00:01:25: also...
00:01:25: Es war ein Erlebniss.
00:01:26: aber ich muss auch ehrlich sagen nur ganz kurz dazu es hat mir auch gezeigt dass sich das nicht dauerhaft machen wollen würde
00:01:33: Aber auch voll gut?
00:01:34: Also dass du das dann für dich festgestellt hast.
00:01:38: Ja ich habe recht schnell gemerkt, dass ich meinen Alltag hier Zuhause doch Sehr genieße aktuell und ich mein meine Work-Life Balance, wie sie gerade ist sehr mag.
00:01:47: Und hat mir dann schon gezeigt dass alles ganz gut ist.
00:01:50: Aber
00:01:50: das finde ich auch voll schön.
00:01:52: wirklich ja total Ja und ich bin auch sehr froh dich wieder zu haben.
00:01:57: Wie geht's dir denn?
00:01:59: Ja,
00:01:59: nicht so spektakulär die letzten Wochen gewesen wie bei dir.
00:02:03: Eher so Business as usual und ja ich sehe mich tatsächlich gerade eher ein bisschen doch auch mal wieder nach einer Abwechslung.
00:02:12: aber wenn du das gerade schon so schön gesagt hast dann ist es wahrscheinlich auch ein guter Anlass für mich zu sagen Ich bin schon dankbar für meine Routine kann mich nicht beschweren.
00:02:22: Genau, ich glaube dann sollten wir mal drauf zu sprechen kommen was wir heute für einen tollen Gast hier haben oder und was wir für ein cooles Thema haben.
00:02:30: Ja, wir gehen nämlich heute einmal in eine ganz andere Richtung unserer Branche und zwar werden wir jemandem hören über das Gebärdensprach Dolmetschen Und man glaubt jetzt vielleicht auf den ersten Moment nicht unbedingt dass es zu unserer Brorge gehört.
00:02:44: aber ich finde auf jeden Fall schon Es ist halt eine spezielle Art des Dolmetchens.
00:02:47: doch auf jeden fall
00:02:49: Genau, und unseren heutigen Gast hab... Nee, du kennst die noch gar nicht.
00:02:54: Ich
00:02:54: kenn sie gar nicht!
00:02:56: Du
00:02:56: hast sie uns gefragt?
00:02:57: Genau ich hab sie kennengelernt bei einer Lesung.
00:02:59: Wir haben ja ... wenn ihr unsere vorherigen Folgen gehört habt wir haben ja aktuell die Fotorausstellung der Nürnberger Prozesse hier in Fürth im Amtsgericht und da hat eine Lesung stattgefunden Die auf Gebärdensprache gedolmetscht wurde Und da habe ich unseren Gast heute die Sophia kennen gelernt Und sie dann im Nachhinein auch direkt angesprochen ob sie nicht mal zu uns in den Podcast kommen möchte weil es war so das erste Mal dass sich mit sowas Ja, direkt in Verbindung kam und dem auch wirklich so aufmerksam zugucken konnte diesem Dolmetschen.
00:03:26: Und ich fand das so spannend!
00:03:27: Das
00:03:28: war cool...
00:03:28: Also Sofia wird uns da viel mehr erzählen können aber es war mega cool das zu erleben.
00:03:34: Ich bin auch schon mega gespannt.
00:03:35: du hast mich jetzt mega heiß drauf gemacht und dann würde ich sagen ohne Umschweife spielen wir hier unser Intro ein und dann holen wir die Sophia auch ganz schnell zu uns.
00:03:44: Genau, das machen wir bis gleich.
00:03:45: Bis gleich.
00:03:50: Herzlich willkommen bei Translation Treasures, dem Übersetzer-Podcast mit Lisa Neuhaus
00:03:55: und Nina Frühbeißer.
00:03:57: Hier nehmen wir euch einmal im Monat mit in die Welt des Übersetzens und Dolmetschens.
00:04:01: Seid dabei wenn wir unsere Schatzkiste auspacken und euch zeigen wie vielfältig und spannend unser Beruf ist!
00:04:11: Da sind wir jetzt auch schon wieder diesmal mit der lieben Sophia, die zu uns gestoßen ist.
00:04:16: Herzlich Willkommen.
00:04:17: nochmal danke dass du da bist und wir starten so wie wir es immer machen.
00:04:24: Und zwar, liebe Sofia darfst du dich einmal einfach vorstellen uns erzählen unseren Hörerinnen und Hörern wer du bist was du so machst genau.
00:04:34: fang einfach mal gerne an!
00:04:36: Okay ja erst mal hallo.
00:04:39: mein Name ist Sophia ich bin knapp einundvierzig Jahre alt wohne derzeit in der Nähe von Erlangen und Ich bin Dolmetscherin für deutsche Gebärdensprache.
00:04:50: Sehr schön.
00:04:50: Wir haben es schon angekündigt in unserem Intro, etwas ganz anderes Gebärdensprache hatten wir hier jetzt noch überhaupt gar nicht.
00:04:58: und du hast jetzt gerade schon gesagt deutsche Gebärdensprache und das ist eigentlich was, was wir dich sowieso fragen wollten.
00:05:04: Stimmt!
00:05:04: Ich glaube, das passt an der Stelle ganz gut.
00:05:06: Du sagst Deutsche Gebärdenstrache,
00:05:08: d.h.,
00:05:08: es gibt verschiedene?
00:05:10: Ja,
00:05:10: es gibt viele Gebärdsprachen tatsächlich.
00:05:14: also ich bin wie gesagt ausgebildet für deutsche
00:05:16: Gebärensprache
00:05:18: Aber in Österreich wird beispielsweise die österreichische Gebärdensprache gesprochen.
00:05:23: In Österreich sogar?
00:05:26: Ja tatsächlich auch da, wo die Lautsprache die gleiche ist und Amerika amerikanische Gebäandsprache in Großbritannien die britische Gebärensprache BSL
00:05:39: Genau.
00:05:39: Wahnsinn!
00:05:40: Also wir haben noch vorher in der Vorbereitung von der Folge diskutiert, ob es denn überall eine unterschiedliche Gebärdensprache gibt und haben dann noch gesagt naja vielleicht ist das irgendwie keine Ahnung ne europäischeinheitliche oder sonst was aber das ist ja krass.
00:05:53: also auch das mit Österreich finde ich jetzt wirklich faszinierend weil die sprechen ja eigentlich auch Deutsch.
00:05:58: Ja, also es gibt tatsächlich International Signs.
00:06:02: also das ist so eine Konferenzsprache Die wird wie gesagt bei Konferenzen oder Veranstaltungen genutzt und das ist so eine Art Pitchin Gebärdensprache, also so eine vereinfachte Mischsprache aus verschiedenen Gebärdensprachen.
00:06:17: Aber mit einer reduzierten Grammatik und einem kleineren Vokabular.
00:06:22: Und was ich auch sehr, sehr spannend fand, ist, dass in nineteenhundertsechsund siebzig die World Federation of the Death in Amerika also vereinbart haben, dass er so einen Versuch quasi eine internationale Gebärdensprache zu entwickeln.
00:06:42: Also da scheiden sich ein bisschen die Geister, da kriegt man auch verschiedene Informationen ob das in die Richtung Esperanto geht.
00:06:51: Genau und so eine Plansprache.
00:06:54: aber es spricht vieles dagegen weil sich diese Sprache über diese lange Zeit, die sie entwickelt wurde auch entwickelt hat und das ist ja wieder konträr einer Plansprache.
00:07:08: Ja,
00:07:09: interessant!
00:07:10: Ja weil da sind ja auch so kulturelle Sachen mit verankert und es hat nicht funktioniert.
00:07:17: tatsächlich.
00:07:17: was aber wie gesagt funktioniert hat ist dass jetzt international sein zum bisschen diese Kommunikationsform von diesem damals genannten Gestuno so hat man das genannt abgelöst wurde.
00:07:32: Aber das heißt dann, ich weiß nicht ob man es überhaupt sagen kann vielleicht weiß man's ja auch gar nicht so genau aber dann hat theoretisch jedes jede Sprache oder sogar jedes Land seine eigene Gebärdensprache.
00:07:44: kann man das sagen?
00:07:46: Jedes Land hat seine eigenen Gebärdensprache weil die Menschen ja auch kulturell in den Ländern verschieden aufwachsen und sich diese Sprache in den Ländern ganz unterschiedlich entwickeln konnte über die Jahrhunderte.
00:08:03: Aber das heißt dann auch, also wenn wir jetzt schon so davon sprechen... Die Gebärdensprachen haben sich auch entwickelt.
00:08:10: Es ist niemand hergegangen und hat gesagt Wir brauchen eine Gebärdensprache Lass mal eine entwickeln.
00:08:16: Sondern sie haben sich entwickelt wie gesprochene Sprachen Auch unter Leuten eben, die diese Sprache brauchen oder gebraucht haben.
00:08:23: Korrekt!
00:08:24: Also es gab einen Mönch, der... Wenn ich jetzt den Namen wirklich richtig gut ausspreche dann tut mir das total leid.
00:08:33: Aber ich glaube er hiefe ab ABC und er hat irgendwann mal, ich glaub, eighteenhundert irgendwas schandet dass sich das nicht weiß.
00:08:44: Er hat für seine, also für Kinder die damals auch Taub auf die Welt gekommen sind sozusagen Die Gebärdensprache, also mit denen zusammenentwickelt und das war so ein Selbstläufer sozusagen.
00:09:00: Aber das ist halt quasi nur einen Teil der Geschichte.
00:09:05: In anderen Ländern war es wieder ganz anders.
00:09:07: Aber ein Beispiel halt?
00:09:10: Ja!
00:09:10: Haben wir schon die erste wirklich interessante Erkenntnis heute.
00:09:14: Auf jeden Fall!
00:09:15: Das waren wir überhaupt nicht klar, ich dachte wirklich eher dass das so planmäßig entstanden ist also aus dem Bedürfnis heraus Wir brauchen eine Sprache aber da sieht man eigentlich auch direkt wie wenig Bewusstsein dafür da ist Also dass man einfach nicht drüber nachdenkt.
00:09:32: Gut dass wir dich hier haben Sophia Ich
00:09:35: kläre es sehr gerne auf.
00:09:37: Ja, du darfst glaube ich noch mal weiter aufklären weil wir sollten vielleicht nochmal einen kleinen Schritt zurückgehen und vielleicht erstmal darauf eingehen was Gebärdensprache eigentlich ist.
00:09:45: also ich meine jetzt sind wir schon ein bisschen vorgepresht in dem Sinne.
00:09:48: ich glaube auch dass das jeden einigermaßen bekannt ist.
00:09:51: aber vielleicht kannst du uns nochmal kurz zusammenfassen was ist Gebärdensprache?
00:09:56: warum braucht man das ja was was kannst du dazu sagen?
00:10:01: Also Gebärdensprache ist eine anerkannte Sprache in Deutschland seit... also zumindest die deutsche Gebärdensprache, seit two-thousand zwei.
00:10:12: Und ja es gibt halt verschiedene Sprachkombinationen, die wir als Dolmetscher dolmetschen.
00:10:19: Also ich Dolmetsche hauptsächlich von der deutschen Lautsprache in die deutsche gebärdenspare mit ihren grammatikalischen kulturellen Besonderheiten aber auch von der deutschlautsprache in lautsprachbegleitendes Gebärden.
00:10:34: Da werden die Gebärden parallel zur deutschen Grammatik und Struktur verwendet.
00:10:38: Also es gibt da verschiedene Kombinationen sozusagen, und Gebärdensprache an sich inhaltet verschiedene Parameter wie die Handform, die Handstellung im Raum, die Bewegung im Raum das Mondbild, die Gestik, die Mimik... ...die in der Einheit quasi eine Gebärde bilden.
00:11:03: Das finde ich auch so spannend.
00:11:04: Und es ist mir eigentlich das erste Mal wieder so... Also, das ist mir schon mal aufgefallen aber so richtig bewusst geworden als ich dich beim Dolmetschen gesehen habe bei dieser Lesung.
00:11:13: Ich dachte immer Gebärdensprache sind einfach nur Handbewegungen.
00:11:16: Aber es steckt ja wirklich so viel mehr dahinter.
00:11:18: also wirklich die Mimik wie du gesagt hast und auch die Mundstellung und so.
00:11:23: Und das fand ich auch ganz interessant weil man wirklich merkt wie Gebärdensprach-Dolmetcher sehr deutlich ihren Mund verwenden.
00:11:32: Kannst du verrückt, da denkt man gar nicht dran.
00:11:34: Ja es sind so viele Faktoren die dann eine Rolle spielen.
00:11:37: Das ist ein Zusammenspiel von so vielen Parametern das Außenstehende das zum Teil nur für Gefruchtel halten was im Endeffekt gar nicht ist ja also eine
00:11:48: ganz flabe Struktur.
00:11:50: Also allein dass Du jetzt auch gesagt hast Die Haltung der Hand, die Stellung der Hand im Raum.
00:11:55: Da dachte ich mir dann jetzt gleich
00:11:57: Boah
00:11:58: Darum führe ich gar nicht gekommen, die Stellung der Hand im Raum.
00:12:01: Aber klar also dadurch kann man auch noch in Detail ausdrücken.
00:12:05: Jetzt fällt mir direkt noch eine Frage ein.
00:12:07: es ist vielleicht eine naive Frage aber... Also kann man dann auch in Gebärdensprache die Verben komplett durchkonjugieren sozusagen.
00:12:17: oder ist das anders?
00:12:19: Nee, das ist tatsächlich anders!
00:12:21: In Gebärdensprachen zumindest in der deutschen Gebärdensprache werden die Verbe nur im Infinitiv gebärdet.
00:12:28: Also es gibt keine Beugung der Verben, während man gebärdet.
00:12:35: Gut braucht man halt wahrscheinlich auch nicht ne?
00:12:37: Nein!
00:12:38: Man sagt ich oder du und dann kommt das Verb und dann
00:12:42: okay.
00:12:42: Ja von der Grammatik her kommt das Verb auch noch ganz woanders also kommt ganz am Ende des Satzes.
00:12:50: Die Grammatika ist ja auch eine völlig andere.
00:12:53: Ich merke, wir haben das Gespräch so von hinten aufgezäumt.
00:12:57: Jetzt fällt mir auf!
00:12:59: Du musst uns gleich noch mal deinen ganzen Werdegang erzählen wie du dazu gekommen bist und ... wie du es gelernt hast, weil jetzt wenn ich dir so zuhör denke mir das muss doch ewig gedauert haben.
00:13:09: Das ist ganz schön kompliziert
00:13:11: an!
00:13:11: Ich denke ja auch jetzt, wenn du auch wirklich sagst, wenn es eine andere Grammatik ist und sowas.
00:13:15: Das war mir gar nicht bewusst.
00:13:16: Ich dachte nämlich früher auch häufig dass die Mundbewegungen, die ihr zum Beispiel macht halt auch ein bisschen als Unterstützung dienen im Sinne von ihr wiederholt das was ihr gerade gehört habt.
00:13:26: aber das ist ja dann scheinbar auch ein ganz anderer Satzbau und sowass.
00:13:32: Ja, also zum Teil wiederholen wir das Gesagte
00:13:37: im
00:13:37: Mundbild.
00:13:38: Zum Teil aber auch nicht.
00:13:40: Also da gibt es dann verschiedene Möglichkeiten wie man das in der deutschen Gebärdensprache ausdrücken kann.
00:13:48: Das heißt ihr müsst auch so richtig wie andere Dolmetscher auch im Zweifelsfall wahrscheinlich auch antizipieren oder?
00:13:56: Wahnsinn!
00:13:59: Ich dachte mir schon, dass es super spannend wird.
00:14:01: Aber ich bin jetzt schon echt geclasht also... Ja!
00:14:05: Also ich glaube Details zu dem Ganzen werden bestimmt jetzt im Laufe unseres Gespräches noch aufkommen aber lass uns vielleicht lassen nochmal zu dir zurück kommen erzähle uns gerne mal.
00:14:16: also ich nehme an du hast das studiert.
00:14:18: wo hast Du das Studiert?
00:14:19: wie kann man das überhaupt studieren?
00:14:21: oder wie hat da Dein Werdegang ausgesehen?
00:14:24: Also mein Werdegan ist ein bisschen spezieller als Wahrscheinlich der Redelfall.
00:14:30: Ich habe damals meinen Realschulabschluss gemacht und hab dann überlebt, ob ich Ausbildung mache und bin aber zu dem Entschlust gekommen mein Abitur zu machen.
00:14:41: Und nach dem Abiturm gab es eine Zeit in der ich eine Ausbildung angefangen habe die ich aber leider wieder abrechen musste, musste halt auch vor Gericht ziehen nicht so schöne Sache und bin dann erstmal ins Ausland gegangen war dann zwei Jahre in Australien.
00:15:01: Hatte dann das Ziel, jetzt kommt es Zoo-Tierpflegerin zu werden tatsächlich?
00:15:07: Da haben dich die Tiere in Australie inspiriert!
00:15:10: Aber wie schön ist so ein Kindertraumberuf irgendwie... Ja
00:15:13: voll, aber der wurde völlig vernichtet.
00:15:19: Nicht so, wie man sich's vorstellt wahrscheinlich
00:15:22: Nee, es ist nicht.
00:15:22: Also ich hatte die Möglichkeit am Praktikum im Zoo zu machen und es war dann sehr unrealistisch dieses Ziel weiterzuverfolgen.
00:15:30: Parallel hat mein Stiefvater damals einen Gebärdensprachkurs besucht weil der ist Heilarziehungspfeger und er hat mir dann so ein paar also das Fingeralphabet mitgebracht und ein paar Arbeitsblätter mit verschiedenen Gebärden drauf
00:15:47: durchgemacht,
00:15:48: so mit meinem Namen und so.
00:15:49: Und dann hat er gesagt, Mensch du bist so schnell!
00:15:52: Du kannst es so schnell aufnehmen, willst du nicht auch in den Kurs miteinsteigen?
00:15:56: Das war ein bisschen problematisch.
00:15:59: mein Stiefvater hat damals einen Stück weiter weggewohnt.
00:16:02: ich nur vierundfünfzig Euro Job viel zu... also das war einfach nicht drin.
00:16:06: Dann habe ich bei mir in der Umgebung geschaut und dann hat man tatsächlich noch zwei Teilnehmerinnen gesucht oder Teilnehmer.
00:16:13: Cool!
00:16:15: Und dann hab' ich mich da angemeldet.
00:16:17: Und man muss dazu sagen, diese VHS-Kurse die angeboten werden für Gebärdensprache werden auch immer von Dozenten und Dozierenden gemacht.
00:16:28: Die selber taub sind.
00:16:31: Oh wow!
00:16:32: Ich bin da damals hinten... Das war halt dieser erste Kurs der stattgefunden hat.
00:16:39: An dem Tag war auch eine Gebärensprache darin dabei Und die hat diese komplette Runde, diese Vorstellungsrunde was wir machen.
00:16:47: Was das Ziel ist verdolmetscht und ich habe sie gesehen und ich hab gedacht genau das will ich auch machen.
00:16:55: Boah es ist eine schöne Geschichte!
00:16:57: Ja
00:16:58: so richtig inspirieren.
00:17:00: Ungelogen.
00:17:01: ich habe vorher dadurch dass sich wie gesagt Realschule ich kenne von Freunden haben alle Ausbildung gemacht und waren immer tot unglücklich.
00:17:08: für mich persönlich war es ein Anliegen für mich selbst, für meine Gesundheit eine Arbeit zu finden oder eine Berufung zu finden in der ich jeden Früh- oder fast jeden Früh aufstehe und mir denke geil!
00:17:24: Ich darf heute arbeiten.
00:17:25: Das ist so schön.
00:17:28: Ja das war dann ein Selbstläufer.
00:17:29: also ich habe die Dozentin gefragt wo ich das studieren kann.
00:17:33: Ich mein das war Und da war das mit Gebärdensprach, also mit Internet und Gebärdensprach-Dolmetschen einfach mal eingeben bei Google relativ schwierig muss man sagen.
00:17:46: Glaube ich
00:17:48: ja!
00:17:49: Ich habe es dann trotzdem gefunden und hab dann in einer Eignungsfeststellungsprüfung tatsächlich machen müssen ins Wickau.
00:17:56: Ich habe ins WICKAU studiert.
00:17:58: Es gibt auch noch andere Standorte in Hamburg... Also damals in Hamburg und in Magdeburg und Berlin hat mich aber Ja, für Zwickau entschieden weil das noch der Diplomstudiengang damals war.
00:18:12: Dass das keine Rolle spielt wusste ich damals nicht Weil der Großteil an Dolmetschan ist selbstständig.
00:18:19: Von daher ob Diplomen oder Bachelor macht keinen großen Unterschied.
00:18:24: Und dann hab' ich zwei Tausend Zehen angefangen zu studieren und bin dann zweitausend Fünfzehn im Februar fertig geworden hat mein Diploma abgeschlossen und bin nach Österreich gezogen
00:18:39: Einfach so, weil du Lust drauf hattest oder wie
00:18:41: du?
00:18:42: Nein.
00:18:42: Eigentlich war es gezwungenermaßen muss man sagen.
00:18:45: Also ich wäre gerne auch in Österreich gebieben hätte das funktionieren?
00:18:49: aber Das Ziel oder mein Ziel war es irgendwann mal selbstständig zu arbeiten
00:18:56: und
00:18:57: Ich bin aus dem Studium raus und ich hatte keinen Cent.
00:19:00: Ich hatte nichts.
00:19:01: also ich habe von dem kfb Kredit gelebt.
00:19:04: damals.
00:19:07: Wie hätte ich mir da irgendwas finanzieren können, ne?
00:19:09: Und dann habe ich gedacht, nee.
00:19:10: Ich lass mich erst mal anstellen, verdiene mein Geld und gehe dann in die Selbstständigkeit.
00:19:16: Okay aber hast du dich auch in dem Bereich Gebärden irgendwie anstellen lassen oder war das was komplett anderes?
00:19:22: Nee, es war schon für Gebärdensprachdolmetschen!
00:19:25: Aber jetzt eine Zwischenfrage... Du bist nach Österreich, aber du hast deutsche Gebärdensprache studiert,
00:19:31: haben wir
00:19:31: ja schon gelernt.
00:19:32: Ja
00:19:33: genau.
00:19:36: Ich hatte ja eine deutsche Kollegin an meiner Seite damals, die hat mich sehr unterstützt auch was die österreichischen Gebärden anbelangt.
00:19:44: Aber es war halt ne völlige Umstellung.
00:19:47: also da sind wir schon bei den Zahlen völlig anders.
00:19:54: Ihr seht jetzt natürlich nicht wie Zuhörer aber ich kann's mal für die beiden nochmal zeigen in Deutschland gebärtet man hundert und in Österreich ist das die Hundert.
00:20:05: Ach,
00:20:06: wir sehen das wieder und nein.
00:20:08: Bei uns ist aber das die Tausend!
00:20:10: Das ist so
00:20:13: schwierig... Wir können es vielleicht kurz für die höherer erklären.
00:20:17: Im Endeffekt ist die Hundert im Österreichischen ein Finger nach unten sozusagen?
00:20:24: Nee
00:20:25: andersrum.
00:20:26: Also der Zeigefinger geht quasi nach unten.
00:20:30: Das ist die hundert und die tausend ist wenn der Zeigefinger von links nach rechts zieht.
00:20:37: Und in der Österreichischen ist es genau umgekehrt.
00:20:40: Das heißt, beim Dolmetschen musste mein Hirn immer Verrenkungen machen
00:20:48: und dann...
00:20:49: Irgendwann kamen dann der Zufall dass meine jetzige Kollegen und damaligen Mitstudentinnen hier im Mittelfranken ein Haus gekauft hat und die hatten einen Spaßenthalber gesagt naja also hier gibt's genug Arbeit.
00:21:00: soviel wenn du wieder zurückkommen möchtest das Polster, was du dir vorstellst an Geld für dass du dich selbstständig machen kannst.
00:21:09: Dann kommen wir wieder hierher und das habe ich dann auch getan.
00:21:13: Ja?
00:21:13: Aber seit dem...
00:21:13: Und du bist immer noch hier!
00:21:15: Ja, seit zweitausendfünfzehn
00:21:17: ja.
00:21:17: Schön.
00:21:18: Aber das ist so eine coole Geschichte.
00:21:21: also Du haltest wirklich auch so von ganz unten aufgebaut hast.
00:21:25: Das finde ich immer super inspirierend wenn Leute uns erzählen ja, dass man halt wirklich auch nichts hatte.
00:21:30: Wenn man da gerade von der Uni kommt und sich trotzdem denkt hey ich würde gerne irgendwann selbstständig arbeiten Ja und dann seinen Plan durchzieht sich vielleicht erst anstellen lässt so wie du das jetzt gemacht hast Und den Traum halt dann verwirklicht wenn das finanzielle Polster da ist um es auch zu machen.
00:21:47: Genau so hast du's ja gemacht.
00:21:48: also finde ich richtig richtig cool und richtig stark von dir.
00:21:52: Jetzt habe ich auch noch mal eine Zwischenfrage und zwar werden wir auch darauf eh nachher noch mal gekommen, vielleicht können wir es auch nachher nochmal vertiefen.
00:22:00: und zwar hätten mir dich gefragt ja wie verschiedene woher verschiedene Aufträge kommen oder wer die Auftraggeber sind.
00:22:09: aber es würde mich dann auch interessieren wo du angestellt warst.
00:22:13: also du darfst bestimmt keine Namen sagen das ist natürlich völlig okay.
00:22:16: aber vielleicht so im groben wo man da eine anstellung findet in dem bereich?
00:22:21: Also dass in österreich das war Schule für Sprach und Hörförderung.
00:22:30: Also die hatten Kinder, die zum Teil mit dem Hirn eingeschränkt waren.
00:22:37: Zum Teil Taube.
00:22:38: Die hatten auch eine Tauber angestellte Pädagogin.
00:22:44: aber grundsätzlich war es so dass ich außerhalb von denen gearbeitet habe.
00:22:49: das heißt sie haben die Vermittlungs Stelle intern gehabt.
00:22:56: Also alles was von dem Bundesland an Aufträgen reinkam, das lief über diese Stelle.
00:23:04: Das heißt ich habe intern in der Schule gearbeitet zum Teil aber halt auch außerhalb und dadurch dass es relativ weniger Aufträge in der Zeit gab konnte ich mich noch in Deutschland anmelden sozusagen bei den Vermittlungsstellen Auch in Deutschland gearbeitet.
00:23:24: Also ich bin dann immer rübergefahren nach München oder...
00:23:27: Ach cool, okay!
00:23:28: Das konntest du dein Parallel quasi schon aufmachen?
00:23:30: Ja
00:23:31: also mein Chef war damit einverstanden.
00:23:33: Ich habe ihn dann gefragt dabei gesagt wie sieht es aus Es gäbe genügend Aufträge auch in Deutschland?
00:23:40: Ist es möglich dass sich auch rüberfahren kann?
00:23:41: und hatte gesagt ja kein Thema.
00:23:44: Ja super
00:23:45: Okay Dann hast du deine Selbstständigkeit sozusagen auch schon so ein bisschen nebenbei so langsam aufbauen können.
00:23:52: Ja, weil es einfach ein anderer Bezirk war.
00:23:56: Also das Problem was ich hatte war... Ich habe einfach viel zu wenig Dormetschpraxis in Österreich gehabt und das war mein Problem.
00:24:05: Aufgrund dessen dass ich so wenige Aufträge hatte bin ich halt auch nicht wirklich reingekommen!
00:24:11: Das heißt wenn ich automatisch mit einem Studium fertig bin, dann bin ich ein Top-Dormetscher!
00:24:17: Das wissen wir, glaube ich ganz gut.
00:24:19: Ja genau!
00:24:20: Die Hörerinnen und Hörern bestimmt auch.
00:24:22: Das ist ja ein Lernprozess der bis Lebensende geht aber gerade in der Zeit wenn man dann den Abschluss hat wirklich auch noch die Motivation da ist.
00:24:33: Da will man ja loslegen.
00:24:35: Aber das konnte ich damals leider nicht.
00:24:37: Okay verstehe... So stelle ich mir das jetzt gerade vor, ist es ja auch so.
00:24:42: Nur weil man die Praxis hat dass man die Gebärdensprache viel anwendet im Gespräch vielleicht mit Leuten heißt es ja nicht, dass man Dolmetspraxis dadurch hat.
00:24:52: Das ist ja also eigentlich total klar.
00:24:55: aber vielleicht ist es nochmal wichtig, dass wir uns das auch bewusst machen.
00:24:59: Wann immer wir außenstehende, die damit wenig zu tun haben ... mit Leuten in Kontakt kommen und Gebärdensprache sprechen.
00:25:06: Dann sind das meistens Dolmetscher, finde ich.
00:25:08: Weil man sieht sie halt irgendwo oder im Fernsehen oder so.
00:25:12: Aber also ich persönlich hab damit leider nicht so viel zu tun.
00:25:17: Aber klar natürlich nur weil man vielleicht schon viele Gespräche führt ist ja nicht Dolmetchen.
00:25:22: Nee ganz und gar nicht ne?
00:25:23: Also das ist noch mal ein ganz anderer!
00:25:26: Teil von Gebärdensprache.
00:25:29: Also man hat den Teil, dass man sich mit gehörlosen Tauben unterhält und dann ist da nochmal das Dolmetschen ja völlig anders.
00:25:41: Man muss an völlig andere Herdgains weisen.
00:25:44: Ja klar!
00:25:46: Das merken wir im Endeffekt auch.
00:25:47: Es entscheidet sich ja jetzt beim mehrsprachigen Dolmenschen nicht auf Gebärdensprache bezogen.
00:25:54: viele ...gegen überhaupt zu Dolmetschen und eher nur fürs Übersetzen, weil das Dolmenschen halt auch so eine ganz spezielle Form einfach nochmal ist.
00:26:01: Deswegen ja verständlich aber mega interessant!
00:26:05: Und jetzt dann als du zurückkamst nach Deutschland da hast du dann angefangen dich direkt selbstständig zu machen?
00:26:11: Genau also ich bin umgezogen... ...und hab meine Selbständigkeit... Also ich bin glaube ich im September... ...ihr her gezogen und im Oktober habe ich dann meine Selbstständigkeit angefangen.
00:26:23: Aber vorher
00:26:24: habe ich mich schon darum gekümmert, dass die ganzen Vermittlungsstellen meine Daten haben.
00:26:31: Und ich habe auch schon Aufträge angenommen für die Zeit, die dann geht.
00:26:37: Gekommen ist.
00:26:38: Aber ich hätte jetzt gefragt, wie war es dann grundsätzlich?
00:26:40: War es noch mal so ein richtiger Sprung ins kalte Wasser oder war diese Transition eigentlich ganz sanft weil du dich eh schon darauf vorbereitet hattest?
00:26:50: Wie war da deine Erfahrung in den ersten Wochen und Monaten mit der Selbstständigkeit in Deutschland?
00:26:56: Es war schon nochmal eine andere Sache würde ich sagen.
00:27:02: ja aus dem einfachen Grund wenn man vorher Ne Faul möchte ich nicht sagen, aber er
00:27:09: hat einfach viel weniger gemacht.
00:27:10: Aber ich weiß sofort was du meinst?
00:27:12: Weil das einfach etwas anderes ist.
00:27:13: Die
00:27:14: Aktivität ging von... ...vierzig-fünfzig Prozent auf hundert.
00:27:20: Also es ging halt dann knallhahnlos und ich kann mir noch dran erinnern.
00:27:26: Zum damaligen Zeitpunkt hat eine Gehörlose oder taube Person eine Ausbildung angefangen Und da waren wir Ja, in der Woche bestimmt zwei oder drei Mal.
00:27:38: Und das von früh um... Also wir sind ins Auto eingestiegen, da war es sechs Uhr fünfzehn und wir sind heimgekommen, da waren's um fünf.
00:27:47: Das war halt wirklich ... Ja, das war halt der ganze Tag und dann also auch inhaltlich.
00:27:55: Wenn ich jetzt zurückblicke würde ich sagen inhaltliche wahrscheinlich nicht unbedingt extrem anspruchsvoll aber für die Zeit oder den Zeitpunkt Noch ganz frisch aus dem Studium, das war schon sehr krass.
00:28:12: Das war dann zum Beispiel so ... Die hat eine Ausbildung in den Betrieb angefangen, wo man ihm viel erklären musste wahrscheinlich oder er musste auch nachfragen und da kam ihr ins Spiel, dass ihr das Dolmetscht.
00:28:25: Das ist damals eine schulische Ausbildung?
00:28:28: Ah, schulisch okay!
00:28:29: Genau und es waren ganz normal jeden Tag also am Montag bis Freitag hatten die unterschiedlichste Unterrichtsfächer von früh um acht bis sechzehn Uhr, forty-fünf zum Teil und da waren wir bei allen Fächern dabei.
00:28:44: Wow!
00:28:45: Und ich komme von einem ins nächste.
00:28:50: Wer war dann in dem Fall der Auftraggeber?
00:28:52: Die gehörlose Person oder die Ausbildungsstätte oder...
00:28:57: Nee tatsächlich die gehörloße Person, die taube Person ja.
00:29:00: also in dem fall schon aber es Hängt halt vom Auftrag ab, ne?
00:29:04: Also können auch... Also Auftraggeber können auch höheren sein.
00:29:09: Okay.
00:29:10: Magst du da vielleicht generell gleich mal ein bisschen näher drauf eingehen?
00:29:13: Wie schaut ein Auftrag bei dir aus?
00:29:15: oder wer beauftragt dich?
00:29:18: Wie kann man das allgemein...?
00:29:19: Oder vielleicht kann man es gar nicht allgemeins sagen ich weiß gar nicht!
00:29:21: Ja also für Allgemeinen kann man's glaube ich nicht weil es tatsächlich von Bundesland zum Bundesland auch unterschiedlich ist.
00:29:28: Hier
00:29:28: in Bayern ist es so dass wir insgesamt sieben Bezirke haben und pro Bezirk gibt es eine Vermittlungsstelle.
00:29:35: Die ist gekoppelt an den bestimmten Träger, wie beispielsweise die Karitas oder einen anderen Wohltätigkeitsverein Und da kann der Gebärdensprachdolmetscher wenn er sein Diplom oder seinen Bachelor in der Tasche hat sich anmelden und sagen hier passt auf.
00:29:53: ich habe den Abschluss.
00:29:55: bitte nehmen mich mit in den Verteilen Bist du quasi in diesem Verteiler mit drin und bekommst, das ist je nach Vermittlungsstelle auch unterschiedlich.
00:30:06: Wir haben es jetzt... In den meisten Vermittungsstellen ist es so dass wir am Tag einmal ein E-Mail bekommen Mit einer Tabelle, in der alle Aufträge gelistet sind die unbesetzt sind Und diese Tabellen sind zum Teil wirklich sehr sehr lang.
00:30:23: Ich wollte gerade sagen Es klingt so als würde euch nicht an Arbeit fehlen.
00:30:27: Nein!
00:30:29: Das ist natürlich auch immer, ja ich sag jetzt mal, ortsabhängig.
00:30:34: Also wir haben halt die Großstädte in denen viel mehr Bedarf ist als in den ländlichen Regionen.
00:30:41: das ist ganz klar.
00:30:43: und dann ist es so denn setze ich mich halt hin wenn ich denn mal die Zeit habe und öffne diese Tabelle und meinen Kalender und schaue welche.
00:30:54: also wo hab ich Kapazitäten?
00:30:56: Welcher Einsatz gefällt mir?
00:30:59: Wo habe ich Interesse, den zu machen?
00:31:01: Ja und vielleicht auch Erfahrung thematisch.
00:31:03: Genau wo habe ich thematische Erfahrungen?
00:31:06: Wo fühle ich mich sicher?
00:31:08: Und dann antworte ich der Vermittlungsstelle hier passt auf am... was weiß ich, dem twenty-fünfzigsten Juni hab' ich Zeit!
00:31:17: Ich möchte gerne den erste Högelkosten erdolmetschen.
00:31:19: das bereitet mir sehr viel Freude und dann schicke ich es ab.
00:31:25: in der Regel muss sich Fortzehn Stunden warten bis ich eine Rückmeldung bekomme.
00:31:29: Das hat ja einfach Gründe, dass wenn sich mehr Dolmetscher auf diesen Auftrag melden dann wird als erstes geschaut nach Wirtschaftlichkeit.
00:31:40: wer ist was heißt am nächsten dran?
00:31:42: also es ist immer so ne Abwägungsfrage
00:31:46: und dann
00:31:47: wird geschaut.
00:31:48: wenn dann was weiß ich haben sie jetzt sechs sieben Dolmester gemeldet was in der Regel nicht der Fall ist.
00:31:52: aber sollte das mal so sein Dann hat unser Kunde das Wunsch- und Wahlrecht.
00:31:57: Und der kann sich dann den Damage aussuchen.
00:31:59: Und dann kriege ich irgendwann Rückmeldungen, pass auf Sophia!
00:32:03: Du kannst gehen?
00:32:03: Dann bekomme ich eine Vermittlungsbestätigung.
00:32:07: Das ist aber kein verbindlicher Vertrag.
00:32:09: Das es wirklich nur Daten austauscht, dass ich weiß okay an denen muss ich mich wenden.
00:32:17: im Falle von Vorbereitungsmaterial... ...und wer ist überhaupt mein
00:32:20: Kunde?!
00:32:22: Ja, dann nehme ich Kontakt auf.
00:32:25: Beispielsweise wenn ich jetzt bei einer Betriebsversammlung dollmetsche, ist dann Schwerbehindertenbeauftragter... was weiß ich?
00:32:33: XY für mich zuständig, den schreibe ich in der Mail.
00:32:37: Ich bin dann und dann bei der Betriebesversammlungen dabei.
00:32:39: hier haben sie als erstes meinen Kostenvoranschlag Und dann ja ist dann immer die Frage nach Vorbereitungsmaterial.
00:32:47: Jetzt habe ich auch kurz eine In der Rückfrage.
00:32:51: habe ich das dann richtig verstanden, also dass der Dolmetscher schon ausgewählt wird bevor dem eigentlichen Kostenvoranschlag vorliegt.
00:32:58: Ist das so üblich?
00:32:59: Oder habe ich es falsch verstanden?
00:33:01: Nee!
00:33:02: Also der Dolmmetscher wird als erstes ausgewählt und dann schicke ich persönlich den Kostenvoranschlag an den Kunden.
00:33:11: Okay, also der Vermittler ist wirklich in dem Sinne nur ein reiner Vermittlar, der jetzt mit der Preisverhandlung im... Nein.
00:33:17: ...in dem Sinne gar nichts zu tun hat?
00:33:18: Also
00:33:19: Preisverhandlungen in dem Sinn nicht nein aber was die Vermittlungsstellen schon machen sollten das ist ja ihre Aufgabe.
00:33:27: sie sollten sich um die Kostenklärung kümmern.
00:33:30: Also wenn es jetzt nicht wirklich klar ist wer die Kosten übernimmt was weiß ich für mal?
00:33:36: x y hat Bewerbungsgespräch mit einer taugen Person, da muss halt geklärt werden wer diese Kosten für den Dolmetscher übernimmt.
00:33:45: Ist es die Agentur für Arbeit?
00:33:47: Ist es eher privat?
00:33:48: Muss das privat bezahlen?
00:33:49: Es gibt auch Fördertöpfe, die für bestimmte Einsätze greifen gerade für dem privaten Bereich also sei es Anwalt, Notar Da gibt's ganz unterschiedliche ja unterschiedliche Kostenträger auch und die Aufgabe ist halt den Kostenträger zu definieren.
00:34:09: Ja, aber sehr spannend auch dass das also wirklich eine ganz klaren Logik.
00:34:14: dann folgt in dem Bereich wie das abgewickelt wird weil das ist ja glaube ich auch also schon relativ einzigartig zumindest kenne ich es jetzt aus keinem anderen Bereich der Sprachmittlung so dass es eben über einen Vermittler geht und er kümmert sich genau um die Kostenklärung.
00:34:34: Genau, also wenn du dann das erste Mal mit dem Kunden in Kontakt bist und ihm den Kostenvoranschlag schickst, dann hast du in dem Sinne auch keine Konkurrenz mehr.
00:34:44: Kann man das so ausdrücken?
00:34:46: Ja!
00:34:46: Es ist ein Teil
00:34:47: fest ja.
00:34:49: Ich
00:34:49: muss allerdings dazu noch sagen, diese Vermittlungsstellen sind super,
00:34:55: aber...
00:34:56: Also was heißt Aber?
00:34:57: Zusätzlich gibt es auch noch die Möglichkeit mich direkt zu buchen.
00:35:01: Also okay,
00:35:02: schon.
00:35:03: Ja ja das auf jeden Fall.
00:35:04: also wenn jetzt ich habe ja Stammkunden Wenn die regelmäßig zum Arzt ösen dann melden sie sich nicht bei der Vermittlungsstelle
00:35:11: Dann sieht
00:35:12: es mit mir selber aus
00:35:14: Klar und in solchen Fällen nehme ich dann an bezahlen dich auch die Kunden direkt eigentlich eher oder?
00:35:19: Also wenn ich jetzt so ein Stamm Kunde wie du gerade meintest direkt kontaktiert oder kann das dann auch über so Fördermittel oder irgendwie sowas laufen?
00:35:27: Das ist immer Setting abhängig, also das kommt auf den Einzelfall drauf an.
00:35:32: Also wenn es jetzt ein Arzttermin ist dann ist es ganz klar gesetzlich geregelt Dann läuft das über die Krankenkassen.
00:35:38: Wenn wir im Bereich Arbeitsleben, dann ist in der Regel das Inklusionsamt Wobei das inklusionsamt Die zweite Instanz quasi ist, also hinter der Firma.
00:35:49: Ich stelle meine Rechnung quasi an die Firma Wenn sie einen Vertrag mit dem Inklusionamt haben Und die bekommen am Jahresende Das Geld für die Dolmetscheinsätze vom Inklusionsamt wieder zurück.
00:36:03: Du weißt eigentlich immer wo du dein Geld herkriegen kannst und wir machen im Hintergrund dann noch mehr, dass sie das irgendwie gefördert bekommen oder?
00:36:13: Weiß Gott, woher
00:36:14: die dann ... Ich sollte auf jeden Fall sicher gehen.
00:36:18: Dass ich weiß, wer mich bezahlt.
00:36:21: Ja klar!
00:36:22: Genau.
00:36:22: und wenn es gibt durchaus auch mal Situationen in denen das halt schiefläuft weil man denkt ja ja das zahlt er schon und dann ist es nicht der Fall ne?
00:36:31: Dann ist es halt auch mal problematisch.
00:36:32: aber das ist ganz selten der Fall.
00:36:34: okay
00:36:36: also wie würdest sorry Lisa
00:36:37: Nein nein Nina macht so was ich merke mir meine Frage.
00:36:40: Okay Also du meintest ja jetzt, du wirst jetzt beispielsweise von dieser Firma bezahlt.
00:36:46: Würdest du dann sagen die Firma ist jetzt dein Kunde oder ist denn die gehörlose Person deinen Kunde?
00:36:51: Geh beides!
00:36:51: Oder wie?
00:36:52: Okay also kann es dann auch ganz individuell und äh situationsabhängig.
00:36:57: Ja
00:36:58: okay.
00:36:58: Mhm.
00:36:59: Diese Frage.
00:37:01: Nee sag ruhig noch Sophia wenn du was hinzufügen
00:37:03: wollt.
00:37:04: Also genau ich kann auch von dem von meinem Kunden oder von den Kunden beauftragt werden für eine Betriebsversammlung oder sowas.
00:37:14: Also das kann dann auch über die laufen, das muss nicht gezwungenermaßen der Arbeitgeber sein.
00:37:20: Okay.
00:37:21: Ja, Mich hatte gerade noch interessiert weil du das jetzt eben so schön erklärt hast mit den Vermittlungsstellen und dass man dich aber eben auch direkt buchen kann.
00:37:29: kannst du das prozentual so bisschen einteilen was bei dir mehr vorkommt?
00:37:33: Oder ist es komplett ausgeglichen oder momentabhängig?
00:37:36: Das würde mich interessieren.
00:37:39: Das ist tatsächlich momentabhängig, ja?
00:37:41: Also wenn ich jetzt beispielsweise viel in der Schule Dolmetsche also viele regelmäßige Aufträge habe.
00:37:51: In dem gleichen Setting dann hab' ich keine Zeit mehr in die Tabelle zu gucken welche Termine da noch frei sind weil mein Computer sowieso schon voll ist.
00:37:59: aber es gibt durchaus auch Zeiten in denen nicht in der Schule Dolmitsche keine Ausbildung Dolmutsche in denen ich einfach freier bin oder halt auch selber entscheidet, ja okay ich möchte jetzt einfach gerne wieder mehr flexibler sein.
00:38:16: Dann nutze ich durchaus öfters mal diese Tabellen bei den Vermittlungsstellen und schaue was da so los ist.
00:38:23: Okay, okay.
00:38:24: Ja also klingt sehr sinnvoll und allgemein würde ich sagen es klingt so wie ... Also dadurch dass ihr wirklich genug Arbeit habt da können andere in der Branche teilweise nur von Träumen.
00:38:37: also in der Sprachmittlerbranche Allgemein das ist schon wirklich toll.
00:38:42: ja Nina
00:38:43: Ich finde das auch ehrlich mit dieser Liste.
00:38:46: Also, warum haben wir das nicht?
00:38:48: Beim Sprachdolmetschen in dem Sinne ... Wie praktisch
00:38:51: ist es.
00:38:51: Eigentlich tatsächlich ja.
00:38:54: Es gibt ja ... Gut, da bräuchte man einen übergeordneten Träger oder so was, der sich darum kümmert.
00:38:59: aber ich find das mega logisch und praktisch umgesetzt einfach weil man wirklich sicher gehen kann dass die Aufträge entsprechend zumindest kommuniziert werden.
00:39:08: ob dann jemand dafür findet oder nicht ist noch mal eine andere Frage logischerweise Aber es ist halt einfach klar gebraucht wird und dann kann man schauen.
00:39:17: Also, für dich finde ich super dir.
00:39:19: Und wahrscheinlich auch eine klare Anlaufstelle ne?
00:39:21: Für ein also beginnende Gebärdensprach Dolmetscher.
00:39:25: Stimmt!
00:39:26: Wenn man sagt wo fange ich denn jetzt an?
00:39:28: weil Selbstständigkeit ist immer erst mal ganz viel am Anfang aber wahrscheinlich ist das so der die erste Anlauf Stelle oder?
00:39:35: Korrekt ja
00:39:36: Okay.
00:39:36: Also, falls wir hier irgendwie einen ... keine Ahnung, Träger zuhören haben, kann das jemand mal bitte für uns auch machen?
00:39:43: Ich find das genial ganz ehrlich!
00:39:46: Ja, aber
00:39:47: schön wär's...
00:39:48: Genau es ist eine tolle Sache, ja.
00:39:50: Also vor allem weil es halt auch für uns unengeldlich ist, ja Es gibt auch durchaus in anderen Bundesländern solche Vermittlungsstellen die dafür Geld verlangen dass die Dolmetscher da quasi sich die Aufträge holen können.
00:40:08: Ich meine ja, hat bestimmt auch eine Berechtigung auf jeden Fall weil sie machen auch noch andere Arbeiten für die Dolmetcher zusätzlich was die Dolmeter dann wesentlich entlastet.
00:40:20: aber nichtsdestotrotz bin ich sehr froh hier in Bayern leben zu dürfen oder besser gesagt in Franken Leben zu dürfen und ja so ein Luxus genießen zu können.
00:40:31: Ja, absolut total verständlich.
00:40:34: Das klingt auch echt super!
00:40:36: Es sind so viele super spannende Informationen.
00:40:39: ich bin gerade die ganze dabei konstant ist zu verarbeiten und dann denke ich drüber nach was ich noch fragen will.
00:40:45: aber ich glaube Worauf wir definitiv auch noch mal zu sprechen kommen sollten, da haben wir jetzt sehr viel über den Rahmen gesprochen und so weiter.
00:40:54: Über den menschlichen Aspekt bei der Sache würde ich auch gerne nochmal sprechen weil es ist ja was wo du indirekten Kontakt bist die ganze Zeit mit deinen Kunden oder deinen Auftrag geben oder die Leute für die du halt dollmatchst?
00:41:09: Genau!
00:41:09: Und da würden wir dich auch gerne fragen, weil's da bestimmt auch viele Falschaussagen oder Missverständnisse gibt, oder einfach fehlendes Bewusstsein wie man deine Kundinnen und Kunden denn richtig bezeichnet.
00:41:23: Genau ich glaube wir haben ja jetzt auch schon immer Gehörlos- oder auch Taub gesagt.
00:41:26: also wie drückt man sich da?
00:41:29: Ja einfach richtig aus!
00:41:31: Also entweder man sagt tatsächlich taub oder gehörlost.
00:41:37: das kommt auch immer auf die Person drauf an wie sie sich selber sieht.
00:41:42: aber grundsätzlich wird Taub immer favorisiert.
00:41:47: Und
00:41:48: man redet wirklich tatsächlich nur von Taub und nicht von Taup stumm.
00:41:54: Taupstum ist in der Community ein wirklich gehasstes Wort, weil es diskriminierend ist.
00:42:04: Weil es wirklich quasi nur auf das Hören sich Bezieht und auf die Aussage, dass sie stumm sind.
00:42:14: Aber stummsinn Sie ja gar nicht!
00:42:16: Sie benutzen eine Sprache, eine vollwertige
00:42:21: Sprache.
00:42:22: Und
00:42:23: ich lese es so oft... was weiß ich?
00:42:26: Beim Arzt auf diesen Patientenakten taubstumpf.
00:42:31: Ich
00:42:32: denke mir dann immer so mensch gerade in dem Bereich müsste doch so viel Aufklärung
00:42:37: da
00:42:37: sein oder schon passiert sein dass sie das wissen müssten.
00:42:42: Und es ist ein ganz, ganz großes Anliegen an alle Hörer da draußen!
00:42:47: Wenn ihr Menschen seht die Gebärten dann sind es Taubepersonen im Falle noch Gehörlos aber Sie sind niemals Taubstum.
00:42:56: Okay, das ist interessant weil man hört diesen Begriff taubstumm ja zum Beispiel auch öfter mal in Filmen oder sowas.
00:43:02: Das ist ja dann eigentlich auch ein No-Go.
00:43:06: Ich finde es auch gerade interessant, dass du sagst, das Taub eigentlich der ...
00:43:10: Favorisierte.
00:43:11: Ja, bessere oder favorisierte Begriffe ist genau, weil ich hätte jetzt eher gedacht gehörlos.
00:43:15: Ich weiß nicht, für mich klingt es irgendwie ein bisschen allgemeiner?
00:43:19: Nicht so speziell?
00:43:20: Ich weiss nicht, das ist vielleicht auch nur mein Denken aber okay gut zu wissen, dann können wir das jetzt auch richtig anwenden.
00:43:26: Ja
00:43:27: gehörloses ist auch eine ... Da fokussierst du dich nur auf das Hören also auf das Bohr sozusagen Ja, beim Taub.
00:43:37: Also Tau, da spezifizierst du ja nix.
00:43:42: Das ist kein Zustand in dem Sinne der sich nur auf das Ohr bezieht.
00:43:49: Okay, verstehe.
00:43:53: Ich würde da gerne noch mal fragen und auch das ist vielleicht.
00:43:56: also es ist was ich schon wissen sollte aber ich habe jetzt erst angefangen drüber nachzudenken über den gesundheitlichen Aspekt.
00:44:06: Was ist es tatsächlich so, dass das Gehör nicht vorhanden ist oder stark eingeschränkt und dadurch die Fähigkeit eine mündliche Sprache zu sprechen ebenfalls eingeschreckt?
00:44:18: Oder hat es auch was mit Stimmbändern zu tun?
00:44:22: Ich weiß es tatsächlich nicht!
00:44:23: Oder ist es auch von Mensch zu Mensch einfach sehr unterschiedlich?
00:44:27: Also an der Stelle möchte ich betonen, dass ich kein Arzt bin.
00:44:33: Nichts Falsches sagen an der Stelle.
00:44:36: Deswegen... Also es gibt ja auch unterschiedliche Hörbeeinträchtigungen, also meine Kundschaft ist ja auch so variabel in ihrem Rohrstatus.
00:44:46: Ich habe ganz viele Kunden die sind Stocktaub, also wirklich!
00:44:51: Die hören überhaupt gar nix und dann hab ich welche, die sind leicht schwerhörig aber trotzdem so schwerhürig dass sie Gebärdensprache nutzen und benötigen ihrer Kommunikation.
00:45:07: Also eine Lautsprache, es ist ja auch aufgrund der Tatsache dass sie sich ja nicht hören können wissen Sie ja gar nicht wie sie Würther aussprechen
00:45:20: sollen.
00:45:21: Wie laut
00:45:23: das sein soll.
00:45:25: Ganz oft ist es ja immer so was weiß ich triff bei den Tauben im Bus oder so und der möchte gerne seinen Ticket zahlen, dann hört man halt irgendwie Geräusche.
00:45:36: Und denkt sich so, ey was ist denn das?
00:45:38: Genau an dieser Stelle muss man sagen, er hört mich wie laut er ist!
00:45:43: Er weiß ja nicht ob es richtig artikuliert.
00:45:47: Genau, das ist das Thema.
00:45:49: Ich hab jetzt selber noch mal weitergedacht.
00:45:50: Ich habe gerade von Stimmbändern gesprochen, dass es ja Quatsch ... Also, nicht das Thema, sie hören sich einfach nicht oder eingeschränkt so.
00:45:58: Okay, war für mich grade noch mal kurz wichtig, das zu prozessieren?
00:46:04: Das wird
00:46:04: sicherlich nicht nur dir so gehen dieser, glaub ich also.
00:46:06: Okay
00:46:07: dann ...
00:46:08: Ich glaube, dass da halt Leute die sich damit nicht befassen, ganz viel Unwissenheit besteht.
00:46:15: Ist ja klar, wenn man dazu keinen Bezug hat oder sich nicht damit auseinandersetzt.
00:46:20: Woher soll man es auch wissen?
00:46:21: So recht!
00:46:22: Aber jetzt wir wissen Bescheid und benutzen das Wort Taub Dann passt es aus.
00:46:28: Sehr gut, dass du uns da alles mitteilst und uns aufklärst Sophia ist wirklich gut.
00:46:32: Super gerne!
00:46:33: Das ist generell im Bereich der Inklusion finde ich auch total wichtig weil man weiß es ja nicht.
00:46:37: also es gibt ja auch in anderen Bereichen die jetzt nicht nur mit dem Gehör zu tun haben bestimmte Bezeichnungen die man nutzen sollte.
00:46:44: dann muss man einfach immer ein bisschen vorsichtig dran rangehen.
00:46:47: deswegen ja sehr gut wir wissen jetzt Bescheid.
00:46:51: Wir wollen vielleicht noch mal kurz auf deine Tätigkeit als Dolmetscherin ein bisschen mehr eingehen.
00:46:57: Und zwar nicht unbedingt auf die, ja, vielleicht auch auf die Aufträge aber so an die allgemeine Tätigkeiten.
00:47:04: und zwar gibt es denn auch Online-Gebärdensprachdolmetschen?
00:47:08: Wenn ja – also ich gehe davon aus dass es das gibt – hast du damit auch irgendwie Erfahrung?
00:47:13: Ja!
00:47:14: Also online GebärdenssprachdOLMetschen ist ein ... Thema, was sehr aktuell auch ist und was in der Vergangenheit aktueller war.
00:47:26: Ich erinnere nur an die Corona-Pandemie.
00:47:31: In der Zeit sind
00:47:33: viele
00:47:34: Settings auf online umgestellt worden also gerade in den Schulen, in den Ausbildungsbetrieben.
00:47:40: In den Schulen hat man dann ja Zoom und der gleiche Plattform genutzt Und wir saßen dann auch vor unseren Laptops, eventuell sogar zwei wenn möglich gewesen.
00:47:59: Aber in der Regel war es halt einer und man muss sich das so vorstellen.
00:48:06: unser Kunde hatte in der Regel dann auch zwei also im Computer Minimum zwei Sag ich schnell, Desktop?
00:48:17: Monitore?
00:48:18: Monitor.
00:48:20: Bildschirme ja.
00:48:20: Genau und hatte dann auf der einen Seite seine Klasse und seinen Lehrer und auf einer anderen Plattform, Zoom
00:48:29: etc.,
00:48:31: uns Dolmetscher.
00:48:32: Und so haben wir den Tag
00:48:36: verbracht
00:48:37: und es war ehrlich gesagt echt anstrengend.
00:48:41: Also... Ich wollte's grad sagen
00:48:44: Ich kann mich noch wirklich gut dran erinnern.
00:48:48: Ich hatte einen alten Laptop und zusätzlich war es noch so, dass in meinem Haus oder in dem Haus, in dem ich damals gewohnt habe, hatte ich ja noch die Kollegen, die ebenfalls dann online waren und ihr Mann der auch noch online war.
00:49:04: wir hatten nur einen Internetzugang das heißt die internetverbindung.
00:49:09: also die war uns miserabel zum teil Ja, permanent abgestürzt oder verpixelt.
00:49:17: Oder was weiß ich?
00:49:18: Also es gab alles.
00:49:20: Es gab wirklich alles!
00:49:21: Und das ist ja auch total fatal wenn das bei euch verpixelt ist.
00:49:26: Da geht gar nichts mehr.
00:49:28: und
00:49:29: was auch noch hinzukam... Wir hatten in der Situation weniger Steuerungsmöglichkeiten also vielleicht nur gefühlt weniger Steuerungsmöglichkeiten aufgrund der Distanz.
00:49:42: Also es ist halt, wenn du vor deinem Laptop stehst und dolmest und gebärdest dann bist du anders glaub ich gehämter.
00:49:53: ja also du greifst da nicht schnell zur Maus und drückst im Zoom-Korn mit dem Lehrer einmal auf das Mikrofon und sagst Herr Lehrer!
00:50:02: Das habe ich nicht verstanden.
00:50:03: können Sie bitte nochmal wiederholen?
00:50:04: Ja
00:50:06: Also was heißt macht keiner?
00:50:07: Ich habe mich damit sehr, sehr schwer getragen.
00:50:09: Muss ich gar nicht ehrlich sagen
00:50:11: Es ist ja auch eine komplett neue Situation die man ja überhaupt gewohnt war.
00:50:14: also da muss man ja auch erst mal mit klarkommen und dann nochmal in so einer besonderen Art das kommunizieren sagt Absolut
00:50:21: Ja.
00:50:21: Auch der Austausch mit meinen Kollegen wenn wir zur zweit gearbeitet haben Wie wechselt man denn?
00:50:28: hat man sich überlegt, Herr Stübger hat den Wecker gestellt Dann hast du immer geschaut wo ist der Kollege?
00:50:34: Siehst du den irgendwo?
00:50:36: Sieht der dich, wenn du einwechseln willst.
00:50:38: Ja also da gab es die lustigsten Geschichten tatsächlich.
00:50:43: Das heißt aber auch dass du eine sehr stressresistente Person bist oder ich meine das gehe ich irgendwie bei allen Dolmetschern mehr oder weniger von aus aber es klingt sehr danach.
00:50:54: Stressresistent... Also natürlich legt man sich in in einer bestimmten Zeit ein dickes Fell an, ja?
00:51:02: Also man kommt mit bestimmten Situationen besser zurecht.
00:51:06: Aber es hat mich mehr gestresst des Online-Dolmetschen als das
00:51:10: Präsenzdolmetchen.".
00:51:12: Okay,
00:51:13: also das verstehe ich absolut!
00:51:16: Da musst du wirklich auch so viel mehr achten auf die Technik alles Mögliche und im Endeffekt hast Du ja auch keine Hand frei.
00:51:23: Ich denke mir noch so beim... Das klingt irgendwie ein bisschen doof, aber beim sprachlichen oder mündlichen Dollmatchen sag ich mal.
00:51:31: Du könntest ja notfalls noch schnell der Kollegin schreiben oder auf die Maus klicken oder sonst was und du musst ja deine Hände wirklich aktiv verwenden.
00:51:38: also Wahnsinn!
00:51:42: Ja war eine verrückte Zeit bin froh dass wir jetzt wieder zurückgekommen sind zum Präsenz Dollmatching wobei es gibt durchaus noch Kollegen die hin und wieder immer noch online doll matching.
00:51:54: Es gibt ja auch diese Relay-Dienste.
00:51:57: Das heißt, eine gehörnlose Person braucht einen Arzttermin und die ruft dann eine bestimmte Nummer an.
00:52:05: Und auf der anderen Seite ist der Dollmatcher oder die Dollmatcherin.
00:52:11: Die taube Person sagt pass auf ich muss Arzt XY anrufen, ich muss den Termin ausmachen.
00:52:17: Dann ruft der Dollmetcher die Arzpraxis an quasi den Termin zusammen mit der Taubenkunden
00:52:26: aus.
00:52:27: Erläuft es dann über Videocall?
00:52:29: Genau,
00:52:29: über Videokoll.
00:52:32: Machst du sowas auch?
00:52:34: Nein!
00:52:38: Weil keine Zeit oder weil Technik und Du magst nicht mehr Technik?
00:52:44: Der Technikfaktor.
00:52:45: ich glaube man gewöhnt sich daran, weil das ja immer die selben Abläufe sind.
00:52:50: aber was mich Also Punkt eins, was mich so ein bisschen abhält ist da rufen zum Teil gehörlose aus ganz Deutschland an.
00:52:58: Die
00:52:58: kenne ich nicht die habe ich noch nie in meinem Leben gesehen.
00:53:01: Die Gebärden-Style unterscheiden sich massiv.
00:53:05: der eine der gebärtet ganz groß der andere ganz klein der was weiß ich Dialekte.
00:53:12: ja dann hab ich jemanden dran der irgendwie aus dem Rheinischen kommt oder?
00:53:18: Nein, als ob es da auch Dialektik gibt.
00:53:20: Das kann ja gar nicht sein!
00:53:21: Doch,
00:53:21: das gibt es und was weiß ich von der Ostsee nutze sie so aus der Richtung, ne?
00:53:26: Und ich denke mir dann zu Bonny wenn ich dann da sitze und mir denkst so Ich muss den immer unterbrechen und fragen Was war denn das jetzt für eine Gebärde?
00:53:34: Weil ich sie nicht kenne Dann ist das halt mega anstrengend.
00:53:37: Ja, aber ich
00:53:38: weiß nicht
00:53:40: Aber was für... neue Stresssituationen sich da auftun,
00:53:46: an die
00:53:46: man niemals denken würde.
00:53:48: Aber ja also wenn du es so erzählst macht das natürlich total Sinn!
00:53:51: Also ist super spannend.
00:53:54: Anschließend daran verdeutet... sorry Nina?
00:53:57: Wolltest du?
00:53:57: Ja alles gut.
00:53:58: ich muss gerade eigentlich irgendwie nur noch lachen weil ich mir halt denke es ist schon irgendwie witzig wenn wir jemandem mit einem Berliner Dialekt geberten.
00:54:05: Siehst du das sonst?
00:54:06: Also ich würde es ja nicht verstehen, aber ich stelle mir das so vor dass es schon irgendwie eine eigenartige Situation sein kann.
00:54:13: Ja also ich kann auch relayten.
00:54:15: insofern wenn ich mir denke, wenn ich beim Bump gedolmetscht habe und da jemand aus dem ganz ländlichen Venezuela kam dachte ich mir auch oh jojoja muss sich ja auch oft nachfragen.
00:54:24: So was finde ich auch nicht so angenehm ist ja im Prinzip die gleiche Situation in anders.
00:54:30: Also absolut!
00:54:31: Yeah same-same but different.
00:54:33: Richtig
00:54:34: Genau.
00:54:35: Wir haben noch so viele Fragen eigentlich auf unserer Liste und ich glaube wir schaffen sie nicht alle, aber weil es jetzt gerade ganz gut dazu passt eigentlich, haben wir uns ganz generell aufgeschrieben wie du denn bei komplexen stressigen Gesprächen oder Dolmetsituationen den Überblick behältst.
00:54:55: oder wahrscheinlich lässt sich das schwer zu ganz genau beschreiben.
00:54:58: Aber ich habe es vor allem noch mal dran gedacht, weil du ja vorher erklärt hast so der Satzbau ist durchaus nicht immer der gleiche Du musst antizipieren und so weiter.
00:55:08: Bist du da manchmal auch richtig aufgeregt?
00:55:10: Oder hast du so viel Routine dass es eigentlich immer so smooth ist?
00:55:13: also
00:55:15: Nein natürlich nicht!
00:55:16: Also ich bin durchaus immer wieder mal aufgereght.
00:55:22: Es gibt auch Situationen, die ist man gewohnt.
00:55:25: Man kennt den Kunden schon lange oder die Kundin schon lange.
00:55:28: Man ist eingegrooft und man kennt die Umgebung, man kennt Leute ja aber es gibt immer und immer wieder Situationen in denen Dolmetscher rinnen, Rots und Wasserschwitzen.
00:55:44: Ja das ist schön ausgedrückt auf jeden
00:55:47: Fall.
00:55:48: Was hilft dann?
00:55:48: Also das erste was ich meistens mache durchatmen.
00:55:54: Ja, das ist
00:55:54: der Wertemittel!
00:55:57: Es ist schwierig ja und dann kommt es natürlich immer drauf an was mich denn stresst?
00:56:03: Also ist es das offene Fenster weil draußen in der Radenmäher irgendwie gerade gemäht werden muss und ich nur noch die Hälfte verstehe.
00:56:14: Dann muss es natürlich gelöst werden indem ich sage Entschuldigung könnten wir bitte das Fenster zu machen?
00:56:20: Also ganz klar.
00:56:22: Dann das zweite, was wir auch ganz oft haben ist dass gerade bei Teamsitzungen durcheinander gesprochen wird.
00:56:30: muss man halt wirklich noch mal daran erinnern Gesprächsdisziplin bitte einer nach dem anderen und macht's wenn es nicht funktioniert wirklich mit Handzeichen und Melden.
00:56:41: Falsches Sitzposition!
00:56:43: Ich habe eine falsche Sitz-Position.
00:56:44: ich sitz irgendwie blöd der Redner.
00:56:47: Es hat sich jetzt doch ergeben, dass der Redner nicht neben mir sitzt oder in meiner Nähe.
00:56:51: Sondern der sitzt halt am anderen Ende.
00:56:53: Ich versteh den kaum!
00:56:55: Also dann muss ich noch mal sagen... Entschuldigung können wir bitte nochmal wechseln weil es ist sehr anstrengend über die Distanz hinweg.
00:57:03: also im Prinzip durchatmen und Probleme erkennen und sich auch trauen sie dann zu ändern damit diese Situation besser wird.
00:57:12: genau definitiv ja.
00:57:13: und wenn's dann wirklich auch was weiß ich, sind extrem komplexe Zusammenhänge.
00:57:18: Was weiß ich technisch?
00:57:20: Habe ich keine Ahnung von dem, was die da überhaupt reden?
00:57:24: Dann als erstes schon mal schauen, dass ich gut sitze, also das ich einen guten Stand habe.
00:57:30: Also meine eigene Körperhaltung dann nochmal zu reflektieren und zu sagen okay, bringe ich denn auch wirklich die Konzentration auf, die ist jetzt gerade für diese Situation benötigt ja
00:57:43: ein
00:57:44: guter Stand, Schultern nach hinten auch Pausen einfordern wenn es gar nicht geht.
00:57:50: Also wenn's halt wirklich was weiß ich eineinhalb Stunden durchweg nur technisches Wirrwarr ist dann wirklich auch sagen Entschuldigung wir brauchen mal ganz kurz fünfzehn Minuten draußen.
00:58:01: Aber was ist denn in so einer Situation, wenn du jetzt wirklich meinst... Du verstehst kein Wort sozusagen.
00:58:06: Also es werden vielleicht Fachbegriffe verwendet oder sowas?
00:58:10: Wenn du die nicht kennst wie gebärdest du die dann?
00:58:13: Kann man dir umschreiben?
00:58:16: Das erste Mittel bei einem Fachbegriff, das wir nutzen, ist das Fingeralphabet.
00:58:21: Also wenn jetzt irgendein englisches Wort oder was weiß ich im Wort für ein Werkzeug genannt wird, was ich nicht kenne Dann aktiviere ich das mit der Hand.
00:58:32: Also du Buchstabierst es so zusammen?
00:58:35: Ich Buchstabiere es und wenn mein Gegenüber das versteht umso besser, dann frage ich, wenn ich die Zeit habe oder im Anschluss in der Pause wie auch immer meinen Kunden, meine Kundinnen ob es dafür eine adäquate Gebärde gibt.
00:58:51: Wenn es die gibt, dann nutze ich die, dann nehme ich die eben meinen Sprachschatz, meinen Wortschatz mit auf.
00:58:57: Wenn es die nicht gibt, gibt es verschiedene Plattformen.
00:59:01: Gebärdensprach Lexika, wie man nutzen kann um sich dann die passende Gebärde zu suchen.
00:59:10: aber wir haben sie auch schon in der Vergangenheit erlebt.
00:59:13: das ist einfach keine passende Gebärde für eine Diode gibt oder sowas.
00:59:18: ja und dann haben wir noch mal mit der Taupenperson gesprochen haben uns dann auf eine Gebärde geeinigt, die wir innerhalb dieses Settings so benutzt haben.
00:59:33: Ja klar weil man muss ja auch ein bisschen darauf achten was versteht denn die Taube-Person eigentlich?
00:59:40: Also ich gehe jetzt mal davon aus dass ja nicht jeder von Kind auftaub ist.
00:59:45: viele lernen das ja auch erst durch irgendwie einen Unfall was auch immer der Grund ist.
00:59:51: aber auch dann muss man da ja Feinfühlig sein, denke ich mal.
00:59:55: Dass man da jetzt auch die Taubeperson nicht überfordert?
00:59:58: Nee, korrekt!
00:59:59: Also im Falle eines Falles immer erst Nachfragen.
01:00:05: Kennst du das Wort?
01:00:07: In meinem Alltag ist es tatsächlich so dass die meisten das verstehen.
01:00:13: Die haben noch nicht mal irgendeine Gebärde sondern dann brauchte nur... Initialisieren also was weiß ich?
01:00:19: nur eine Handform machen aus dem Fingeralphabet und dann weiß derjenige.
01:00:23: Alles klar das ist die und die Maschinen, ja aber man muss natürlich schon schauen dass es Das ist von beiden Seiten passt.
01:00:32: Also man muss sich dann irgendwie einigen oder man fragt beispielsweise auch die Dolmetscher, die Kotormetscherinnen oder Kotormätschern.
01:00:39: Man hat ja immer einen Kollegen dabei.
01:00:40: Jetzt
01:00:41: muss ich noch was fragen und wir haben es nicht mal auf der Liste.
01:00:44: Ich kann nicht glauben dass ich da nicht vorher dran gedacht habe aber jetzt fällt mir ein... Dolmetsch du dann meistens konsekutiv, also zeitversetzt oder machst du simultan?
01:00:55: In Nina hatte ich ja Dolmettchen gesehen.
01:00:56: Deswegen weiß sie es vielleicht aber ich habe dich ja nicht gesehen.
01:00:59: Ja!
01:01:00: Also ich sag jetzt mal zu neunzig Prozent ist meine Arbeit in Simultaren Dolmetchen.
01:01:05: Okay.
01:01:06: Also wir haben natürlich einen kleinen Timelack.
01:01:10: Das werdet
01:01:11: ihr wahrscheinlich auch haben und ich sage jetzt mal... Ein ganz geringer Anteil ist vom Blattdoll-Metschen.
01:01:21: Also wenn wir jetzt beispielsweise bei Auflehrungsgesprächen beim Arzt sind und die irgendeine OP vor sich haben, dann bekommen dir öfters mal diese Aufklärungspögen.
01:01:32: Und dann sagt der Arzt ja hier bitte durchlesen und wieder ankreuzen.
01:01:37: Dann nimmst du das Ding und übersetzt du von Blatt aber das ist ganz selten.
01:01:43: Aber Moment!
01:01:45: Können Taubemenschen in dem Fall dann auch nicht lesen?
01:01:50: Also, lesen können sie schon.
01:01:51: Das
01:01:51: ist vielleicht eine dumme
01:01:52: Frage aber... Aber das Verständnis ist ja anders oder zum Teil eingeschränkt aufgrund dessen dass Gebärdensprache In den Maisunfällen die Muttersprache ist und die deutsche Lautsprache oder Schriftsprache Die erste Fremdsprache es.
01:02:11: Und das bezieht sich dann sozusagen auch wieder auf die Grammatik, auf den Satzbau.
01:02:14: Was du ... Okay.
01:02:16: Davon hatte ich ja als überhaupt nicht
01:02:18: gesehen.
01:02:18: Noch mal so eine komplette Erkenntnis, wo wir schon ziemlich am Ende unserer Stunde sind.
01:02:23: Aber krass!
01:02:24: Ich muss jetzt ganz ehrlich sagen vorhin, als du das erklärt hast mit diesem Anrufen und dann ruft man beim Arzt an und sowas dachte mir, warum schreibt man nicht einfach eine E-Mail?
01:02:33: Ja, geht auch.
01:02:34: Ja, schon.
01:02:35: Aber jetzt kommt mir das so, schreiben wird halt auch nicht so leicht sein also ...
01:02:39: Oder nicht bei allen zumindest.
01:02:42: Das wird ja wahrscheinlich wieder damit zusammenhängen, seit wann ist man Taub?
01:02:46: Auf welche Weise wurde man Taup oder was auch immer klar.
01:02:50: Korrekt!
01:02:50: Aber wow...
01:02:52: Ja, das ist ein ganz spannendes Thema, weil viele immer sagen, dann schreib's halt auf ne?
01:02:59: Oder bei Betriebsversammlungen beispielsweise haben sie keinen Dolmetscher gefunden, weil sie viel zu spät dran waren.
01:03:04: Ja,
01:03:05: dann machen wir halt das Protokoll.
01:03:06: Dann können Sie es schon lesen!
01:03:08: Ja nee Jungs, so einfach ist es halt auch nicht ja?
01:03:12: Das ist für die eine Fremdsprache... In der Gewehrensprache gibt's beispielsweise keine Artikel.
01:03:18: Bestimmte Sachen gibt es einfach nicht und das ist dann natürlich umso schwieriger auf dem Satzbau.
01:03:24: Und
01:03:25: wenn ich da einen verschachteten Satz lese, der über vier Zeilen geht wo unser Eins schon Schwierigkeiten hat Wie soll das dann für eine taube Person sein?
01:03:35: Ja,
01:03:36: also zu viel
01:03:36: oder dreifach schwer.
01:03:38: Absolut!
01:03:39: Okay, also das... Also dieses Gespräch mit dir Sophia lohnt sich
01:03:45: sehr.
01:03:46: Ich fühle mich gerade so mind-blown irgendwie.
01:03:49: Man kommt noch so viele Rückfragen und sonst was, wir haben eigentlich keine Zeit mehr dafür.
01:03:53: Und ich weiß auch gar nicht wo ich jetzt fragen sollte.
01:03:56: aber... Müsst
01:03:56: man mal Teil zwei irgendwann vielleicht?
01:03:58: Ich glaube
01:03:59: ja auch.
01:04:00: Wir brauchen da nochmal ein bisschen mehr Inbu.
01:04:02: also das war jetzt wirklich schon mal eine sehr gute Stunde, um ein besseres Gefühl für diesen Beruf zu finden und auch generell für taube Menschen.
01:04:12: Also dass man da einfach mal ein bisschen mehr Wissen dazu bekommt weil ich glaube das haben einfach ganz viele überhaupt nicht oder haben natürlich keine Berührungspunkte damit.
01:04:22: also Ja.
01:04:24: Ich
01:04:24: fühle mich jetzt irgendwie ein bisschen blöd, die nächste Frage zu stellen weil ich mir denke irgendwie ist es voll offensichtlich.
01:04:28: aber was motiviert dich an deinem Beruf?
01:04:31: Es ist schön zum Abschluss halt nach der Zeit vielleicht.
01:04:34: Das ist wirklich ein schöner Abschluss.
01:04:36: auf jeden Fall also... Was motiviert mich am meinen Beruf?
01:04:40: Ich glaube das größte oder das Beste ist dass sich jeden Tag etwas Neues oder Spannendes lernen darf und das ist nie ganz selten mal langweilig ist.
01:04:51: Weil langeweile ist für mich der absolute Killer, das ist ganz schwierig auszuhalten für mich.
01:04:59: Ja also das würde ich schon sehr weit oben sehen.
01:05:03: Zum anderen sind es auf jeden Fall meine Kunden
01:05:07: weil
01:05:09: ja die schätzen halt meiner Anwesenheit weil sie wissen dass ohne mich die Kommunikation einfach schwieriger oder sogar schief laufen kann.
01:05:21: Und für mich persönlich ist es auch so, dass ich weiß... Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen abgehoben.
01:05:27: Aber das ich einen wichtigen Beitrag leiste in dieser manchmal so verrückten Welt.
01:05:35: Nee, das klingt nicht abgehobene.
01:05:38: Ich bin da einfach stolz drauf,
01:05:42: tun zu dürfen und was mir
01:05:44: auch Spaß macht!
01:05:46: Und du leistest ja wirklich einen sehr wichtigen Beitrag.
01:05:49: Ja, und allein auch wie du uns jetzt gerade aufklärst... Du leistet so einen wichtigen Beitrag zu dieser Inklusion und du wirst wirklich gebraucht von deinen Kunden!
01:05:58: Also ich kann das total nachvollziehen.
01:06:00: Ja.
01:06:01: Und was auch noch hinzukommt ist... Das ist nicht überall so tatsächlich, das weiß ich.
01:06:08: Deswegen bin ich umso glücklicher, dass sagen zu können, dass mich auch meine Kollegen also motivieren, ja.
01:06:17: Wir Kollegen hier in Franken und wahrscheinlich auch ganz Bayern aber ich kann jetzt vor allen Dingen für Franken
01:06:24: sprechen
01:06:25: dass wir hier so eine gute kollegiale, so einen guten kollegialen Austausch haben uns in der Regel wirklich gut verstehen.
01:06:35: die Zusammenarbeit funktioniert Und wie gesagt wir sind ja auch noch ein kleines Völkchen ne?
01:06:42: So eine kleine Gruppe und es funktioniert trotzdem.
01:06:46: Und wir sind ja auch noch Frauen, ne?
01:06:48: Ich meine das kommt ja, da sind ja Hormone und alles
01:06:51: ist dabei.
01:06:52: Aber es funktioniert trotz dem und deswegen motiviert es mich in der Regel fast jeden Tag wenn es mal so ist nicht immer so aber mit Kollegen zu arbeiten.
01:07:03: Das sind wir eigentlich wieder bei unserem leidigen Thema, sag ich mal.
01:07:07: So darf man es nicht bezeichnen.
01:07:08: Aber beim Netzwerken einfach... Ich glaube, es gab noch keine einzige Folge, wo wir das Thema Netzwerk nicht erwähnt haben!
01:07:15: Und ja, da hört man es jetzt wieder ein gutes Netzwerk.
01:07:17: Eine gute Kolegschaft ist so wichtig in der Freiberuflichkeit im Allgemeinen und...
01:07:23: Total!
01:07:24: Es ist einfach toll wenn man sich da sowohl fühlt.
01:07:26: Ja, so schön zu hören dass das bei dir auch so toll ist Sophia und wie du's jetzt gerade insgesamt zusammengefasst hast hoffe ich auch vielleicht hört ja der oder die eine andere gerade zu und denkt sich, Mensch das wäre vielleicht auch was für mich.
01:07:40: Es klingt sehr erfüllend.
01:07:41: also ich finde es klingt so als wäre das auch ein beruf mit zukunft was man grade echt nicht über jeden beruf sagen kann.
01:07:52: in
01:07:52: der sprachbranche ja
01:07:55: definitiv wir haben einen großen mangeln.
01:07:59: wenn jemand jemanten kennt der jemanten kennt wer jetzt gerade nicht weiß was er zukünftig machen soll vielleicht auch Bock auf Sprachen hat, den kann ich das nur ans Herz legen.
01:08:12: Und wir nehmen übrigens auch Praktikanten gerne einfach melden!
01:08:18: Ja, das ist gut zu wissen.
01:08:19: Also wenn sich mal jemand dafür interessiert aber gerne einen genaueren Blick haben möchte es ist ein sehr guter Punkt.
01:08:25: wir kriegen auch öfter mal Anfragen hier im Praktikum zum machen Aber das ist beim Übersetzen zum Beispiel immer sehr schwierig.
01:08:31: Aber ihr habt ja wirklich einen konstanten Auftrags.
01:08:35: weil sage ich jetzt Mal da kann man gut mal jemanden vielleicht mitnehmen.
01:08:38: Das ist sehr schön.
01:08:39: Definitiv sind immer herzlich willkommen.
01:08:42: Ja, sehr schön.
01:08:43: Es war ein unheimlich inspirierendes und motivierendes Gespräch mit dir, Sophia.
01:08:47: Vielen Dank, dass du dich bereit erklärt hast, mit uns zu reden und uns aufgeklärt hast in vielerlei Hinsicht.
01:08:52: Absolut!
01:08:54: Wir hoffen, dass wir vielleicht auch noch mal mit dir reden können und dann vielleicht nochmal ein bisschen mehr in die sprachlichen Details gehen können oder sowas... Da kommen wir gerne wieder auf dich zurück.
01:09:03: Gerne!
01:09:03: Jeden Fall.
01:09:05: Genau Lisa macht einen Abschluss hier heute.
01:09:09: Ich glaube, ich habe es letztes Mal gemacht und dann hatte ich den ganzen Start.
01:09:12: Ja, nee, alles gut!
01:09:13: Aber ich hoffe
01:09:14: dass sich immer
01:09:14: den ganzen Rest so gut aufzählen kann.
01:09:17: aber das Wichtigste ist natürlich, dass wir uns an dieser Stelle auch nochmal ganz herzlich bei unseren lieben Hörerinnen und Höreren bedanken wollen, dass ihr wieder für eine Folge...
01:09:24: Hörerin und Höhrerin?
01:09:26: Hörlerin und Hörterin?
01:09:27: Sehr feministisch okay.
01:09:30: Hörarin und höratüra sind auf jeden Fall auch total willkommen.
01:09:35: Vielen, vielen Dank, dass ihr wieder eingeschaltet habt zu unserer neuen Folge Translation Treaders.
01:09:40: Wir hoffen, das es euch ganz genau so gut gefallen hat wie uns!
01:09:44: Davon gehen wir jetzt mal ganz stark aus weil wir fanden's total toll was wir alles gelernt haben.
01:09:48: jetzt gerade in dem Gespräch und genau wie immer dürft ihr uns sehr gerne auf unseren Social-Media Kanälen folgen.
01:09:55: Instagram LinkedIn genau dürfte uns gern eine Bewertung da lassen.
01:10:00: wir werden natürlich auch wieder ein bisschen behind the scenes posten und euch auf diese Folge so ein bisschen ja genau schon vorbereiten.
01:10:07: mit Posts und hören könnt ihr uns auf Amazon Music, Apple Music und Spotify.
01:10:14: Und da freuen wir uns natürlich auch über ein Follow-Like oder Bewertung.
01:10:19: Hab ich was vergessen?
01:10:20: Nein!
01:10:20: Ich glaube du hast es
01:10:22: nicht.
01:10:22: Okay langsam kriege ich Übung.
01:10:24: Dann nochmal lieben herzlichen Dank an die Sophia.
01:10:27: Schön dass du heute da warst.
01:10:28: Sehr sehr gerne.
01:10:30: Wir holen uns hoffentlich bald wieder.
01:10:32: Ja, gerne.
01:10:33: Kommen gerne noch mal!
01:10:34: Das freut mich.
01:10:41: Bis bald!
01:10:45: Ciao!
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